Erasmus-Bericht

Vårtermin 2004 in Uppsala


Austausch mit der Universität Uppsala im Frühlingssemester 2004

von Frank Eisele

(Studium Elektrotechnik, aber Austausch über die Informatik/Universität Stuttgart)

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In diesem Bericht werde ich ein wenig über meinen Schweden-Aufenthalt und meine Erfahrungen in Schweden im Frühlingssemester 2004 schreiben. Obwohl ich in den Jahren vor dem Austausch schon oft im Urlaub in Schweden war, hat mir dieser Austausch einen wesentlich besseren Einblick in das Leben in Schweden gegeben und teilweise ganz neue Seiten dieses Landes aufgedeckt. Ein Austausch dorthin bietet also auch dann etwas neues, wenn man vorher schon oft dort war. Und er ist auf jeden Fall mehr als empfehlenswert. Das sich der Austausch gelohnt hat, stand bei mir und vielen anderen schon in den ersten 2 Wochen fest. Es war eine wirklich geniale Zeit dort.

Der Bericht ist etwas nach Schwerpunkten gegliedert, da er recht lang ist. Dafür kann er vielleicht die ein oder andere Frage beantworten.

Also, vielleicht nur das lesen, was Du nicht sowieso schon wo anders gelesen hast...


Vor der Reise:

Ich hatte mich bereits im Mai 2003 entschieden, dass ich zum Frühlingssemester 2004 in Uppsala studieren möchte (Frühlingssemester = vårtermin, vår = Frühling, termin = Semester, semester = Urlaub). Das man trotz der frühen Bewerbung erst kurz vor spät, also im Oktober, November, Bescheid bekommt, ob der Austausch klappt, scheint normal zu sein, also deswegen keine Unruhe, falls es bei Dir genauso ist. Trotzdem solltest Du immer am Ball bleiben, denn manchmal kann es auch sein, das die Uni was verpennt und dann gibts Probleme, weil irgendwelche Deadlines nicht eingehalten werden. Wichtig ist das vor allem für die Wohnung in Uppsala. Wenn die Uni sich zu spät darum kümmert, hast Du keine Wohnung, obwohl Dir eine zusteht...also, immer nachhaken !
Am schnellsten geht es, wenn man einmal selber dort anruft. Dabei sollte man allerdings die lange Sommerpause beachten, denn der Sommer ist in Schweden heilig und deswegen wird man dort zwischen ca. Mitte Juni bis ca. Mitte August nicht viel ausrichten können. Denn es ist dort Semester, was auf schwedisch Urlaub bedeutet. Die Erasmus-Plätze werden eh erst danach vergeben. Wenn man als Austauschstudent akzeptiert ist, kann man sich bei „Studentstaden AB“ für eine Wohnung bewerben, wobei man zwischen verschiedenen Wohnheimen wählen kann. Ich habe das Wohnheim bekommen, bei dem ich das Kreuzchen „dort will ich auf keinen Fall hin“ angekreuzt habe, aber im Nachhinein hat es sich als gute Wahl herausgestellt. Im Dezember bekam ich dann eine Infobroschüre der Universität Uppsala, in der sehr viele Fragen, die ich mir zum Aufenthalt in Uppsala gestellt habe, beantwortet wurden.


Das Wetter in Schweden:

Im Nachhinein hat sich das Frühlingssemester als eine sehr gute Wahl herausgestellt, da es mit Kälte und Dunkelheit im Januar anfängt und es ab dann immer heller und schöner und wärmer wird. Ich habe mir von Schweden sagen lassen, dass der deprimierendste Monat im Jahr der November ist, da es noch nasskalt und dunkel ist und man wochenlang keine Sonne sieht. Sobald im Dezember Schnee liegt, ist aber alles halb so wild. Bei meiner Ankunft im Januar war es in Uppsala -17 Grad warm, aber das war auch für die Schweden ungewohnt kalt. Es lag Schnee um die 20-30 cm, allerdings werden die Straßen geräumt. Meist zwar so, dass noch Eisschichten und eine festgefahrene Schneedecke erhalten bleiben, aber man muss niemals mit meterhohen Schneedecken kämpfen, um vorwärts zu kommen, wenn man nicht gerade im Wald außerhalb der Stadt ab von Wegen unterwegs ist. Der Winter in Schweden ist sehr schön, da dort anders als in Deutschland der Schnee liegen bleibt (man kann den Schnee z.B. einfach von der Jacke weggeblasen, ohne dass er schmilzt). Da der Schnee das Licht reflektiert, ist so auch die früh einbrechende Dunkelheit (16:00 Uhr im Januar) gar nicht so schlimm. Jedoch äußert sich diese dann darin, dass man das Gefühl hat, an einem Tag nichts mehr zu schaffen und in einem Müdigkeitsgefühl, das plötzlich und unerklärlich nach ca 1-3 Wochen zum ersten mal auftritt. Der Schnee ist dann gegen Ende März/Anfang April endgültig geschmolzen und hat gelbes Gras und Landschaft freigegeben. Bis es wieder wirklich grün wurde, hat es noch fast 1,5 Monate gebraucht. Der Sommer ist angenehm, warm aber nicht schwül, es kann zwar wirklich heiß werden, aber sobald die Sonne weg ist, kühlt die trockene Luft schnell auf milde Temperaturen ab. Auch die Tage werden immer länger, schon Wochen vor Midsommar gab es Frissbeespielmöglichkeiten noch bis 1 Uhr nachts.


Die Anfahrt:

Ich bin gemeinsam mit einem anderen Austauschstudenten mit dem Auto nach Uppsala gefahren. Wir sind mit der Fähre über Fredrikshavn/Dänemark nach Göteborg gefahren. Die Nachtfähre hat dort sehr billige Tarife. Von Hannover aus braucht man ca 6-7 h nach Fredrikshavn, die Fährfahrt von Fredrikshavn nach Göteborg dauert 3 Stunden und von Göteborg nach Uppsala kann man auch nochmal 6-7 h rechnen. Wir haben uns vor Reisebeginn gemeinsam Schneeketten mit Spikes besorgt, man braucht sie allerdings nicht für die Fahrt auf den Hauptstraßen nach Uppsala. Für die kleinen Nebenstraßen bei Ausflügen im Winter sind Schneeketten allerdings empfehlenswert. Die großen Straßen sind soweit gestreut, dass immer in den Reifenspuren gute Haftung ist, sobald man die Spur verlässt, fährt man aber auf Schnee und Eis. Die Einheimischen kennen das natürlich und vertrauen der eisigen Straße, deswegen wird man auch von allen Truckern und Busfahrern überholt, wenn man nach Uppsala fährt.


Die vorläufige P-Nummer:

Anreisen sollte man so früh wie möglich, damit man auf den Kennenlernveranstaltungen schon einmal Kontakte knüpfen kann. Um an diesen Veranstaltungen teilzunehmen, braucht man eine Personen-Nummer, wer keine P-Nummer hat, steht dumm da. Deswegen muss man sich gleich am Anfang darum bemühen, eine vorläufige P-Nummer zu besorgen. Man bekommt sie immer bei der Student-Union oder am Anfang in einigen Nationen (wo genau steht im Startpaket, welches man am ersten Tag von seinem Uni-Koordinator bekommt) oder bei einigen Veranstaltungen, wenn man zufällig die richtigen Leute trifft. Ohne diese Nummer kann man an den meisten Willkommensverantaltungen nicht teilnehmen. Dort, wo man die Nummer nicht braucht, muss man sich frühzeitig anmelden. Deswegen also früh anreisen. Eine endgültige Nummer bekommt man spätestens beim Einschreiben in eine der Nationen. Aber auch hier können einem die Öffnungszeiten zum Einschreiben Steine in den Weg legen.
Hier noch ein lebendiger Ausschnitt aus meiner ersten Woche zum Thema P-Nummer:
...Das Zauberwort in der ersten Woche, ohne P-Nummer darf man nichts was von den Nationen gemacht wird mitmachen, und das ist fast alles. So auch fast alle Austausch-Willkommensunternehmungen, was natürlich ein bisschen blöd ist, wenn man da nicht mitmachen darf...Christian, Matthias und ich hatten das Problem, dass wir in der 1. Woche keine P-Nummer hatten. Es gibt zwar temporäre, die man an der Reception bekommen konnte, doch diese Reception war in einer Nation und nur bis Montag nachmittag, also als wir dorthin wollten, gabs die Reception dort nicht. Bis wir dann wußten, wo wir die Nummer noch bekommen, war es dann schon so spät, das die Student Union geschlossen hatte. Überhaupt war in der ersten Woche meist alles ca 10 Minuten zu spät...Wir haben zwar so Sachen wie Festnetztelefon, Telefonprepaidkarte etc. erledigen können, auch Miete bezahlen und Uni-Kurse wählen, aber die Anmeldung zu irgendwelchen Dinners war immer zu spät oder die P-Nummer hat gefehlt. Essen in einer Nation haben wir zwar doch bekommen, aber nicht dort wo es billig war, sondern in der normalen Kneipe. Allerdings ist das jetzt, da wir Nationen gewählt haben etwas unproblematischer...
Dies nur als kleinen Eindruck von dem, was auf Dich zukommen kann, wenn Du nicht weißt, wo Du die P-Nummer herbekommst.


Fahrräder und Auto:

Ein Fahrrad ist in Uppsala ein muss. Alle fahren Rad, auch im Winter. Als Autofahrer wird man geschröpft. Wer mit dem Auto nach Uppsala kommt und meint, es kostenlos am Studentenparkplatz abstellen zu dürfen, der täuscht sich. „Avgift alla dagar“ ist das Motto (Abgabe alle Tage). Ein Semester-Parkticket kostet 450 Kronen, also ca. 50 Eur. Auch an der Uni muss man bezahlen (wenn auch nicht viel) und auch an allen Straßenrändern. Der einzige kostenlose Parkplatz ist am Ekeby-Wohnheim, aber der gehört eigentlich zur angrenzenden Schule. Dennoch ist ein Auto für Ausflüge in die Umgebung sehr gut. Wer nicht sein eigenes Fahrrad mitgebracht hat, wird wie alle anderen in den ersten paar Wochen ein gebrauchtes für ca 400-800 Kronen kaufen (50-90 Eur). Die Entfernungen sind zum zu Fuß gehen etwas zu groß.
Einige Entfernungen:

  • Flogsta (Wohnheim) - Ekeby (Wohnheim) : 1,5 km
  • Flogsta (Wohnheim) - 2 große und billige Supermärkte (darunter ein billig-Discounter aus Deutschland) : 2,2 km
  • Flogsta (Wohnheim) - großer Supermarkt: 500 m
  • Flogsta (Wohnheim) - Rackarberget (Wohnheim): 2,7 km
  • Flogsta (Wohnheim) - Universitet (MIC für Informatiker): ca. 6 km
  • Flogsta (Wohnheim) - City: ca. 4 km

    Ein gutes Schloss zum Rad ist Pflicht, geklaut wird gerne und oft. Manche sprechen davon, dass Uppsala-Räder in Stockholm und Stockholm-Räder in Uppsala angeboten werden und einige Privat-Verkäufer haben seltsamer Weise sehr viele Räder zu verkaufen. Also, immer abschließen. Licht am Fahrrad ist wichtig (nicht nur wegen der eigenen Sicherheit), die Polizei in Uppsala verdient sonst daran nicht schlecht und hat sich Fahrräder ohne Licht zum Spezialgebiet gemacht (Strafen angeblich bis 2000 SEK, 220 Euro). Gute Dynamos gibt's in Schweden fast nicht, manche Halterungen verbiegen sich, wenn man den Dynamo nur zum Einschalten runter drückt. Durchrutschen tun sie alle bei Schnee. Die einzige vernünftige Auswahl an Dynamos hat ein Fahrradgeschäft in Eriksberg. Die übelste Antwort auf meine Frage nach dem Dynamoangebot war:“Wir verkaufen nur gebrauchte“ mit einer Geste auf die Bastelkiste in der mehrere schrottreife Dynamos aus Großvaters Zeiten lagen. Ansonsten sind Stecklichter angesagt. Die besten Vorderlampen (3er-LED-Lampe für nur 10 Eur) gibt's bei einem Autozubehörladen mit Querbeetangebot im Gewerbegebiet von Uppsala an der Kasse (nachfragen, da nicht ausgestellt).
    Noch etwas zum Fahrverhalten: Das Autos am Zebrastreifen halten müssen, ist in Schweden erst seit 2 Jahre Gesetz, sehr wenige Autofahrer wissen davon oder interessieren sich dafür, deswegen ist Vorsicht geboten, besonders im Winter. Regenklamotten bringt man am besten aus Deutschland mit, dann bleibt man auch auf der ersten Radtour im Schnee trocken. Außerdem ist das Angebot an Fahrradregenjacken und Regenhosen oder Umhängen in Deutschland wesentlich größer, bzw. erstmal überhaupt vorhanden.


    Die Wohnheime:

    Wohnheime für Austauschstudenten gibt's 5 verschiedene.

    Westlich der City liegen:

    Flogsta Höghus
    Liegt entlang einer 8-förmigen Strasse, dem Sernanders Väg. Es gibt dort 12 riesige, aber nicht schlecht aussehende Hochhäuser, jedes hat 7 Stockwerke. In der Mitte jedes Hauses ist ein Aufzug und Treppenhaus. Von dort gehen auf jedem Stockwerke 2 Korridore ab, einer nach recht, einer nach links. In jedem Korridor gibt nach der Eingangstür eine gemeinsame Küche und einen Aufenthaltsraum. Ein langer Flur verbindet die 12 separaten Zimmer, alle mit eigenem Bad/Toilette, einem kleinem Flur und gut möbliert und mit Internet (Ethernetbuchse) - und Telefonsteckdose. Auf jedem Flur wohnen normalerweise 10 Schweden und 2 Austauschstudenten. Die beste Gelegenheit, Schweden kennenzulernen, bietet also Flogsta. Die meisten Korridorparties gibt es auch dort. Nachteil ist allerdings, dass es meist sehr anonym ist und jeder mehr oder weniger für sich lebt (je nach Korridor natürlich). Mitunter kann die Küche auch sehr dreckig sein (in meinem Korridor Kartoffelschalen, Mohrrübenschalen, Apfelkerngehäuse, Klopapier, Kaffeereste und Nudeln im Spülbecken...und das Tage lang...). Aber es muss natürlich nicht so sein. Ganz in der Nähe liegt das Flogsta Låghus, welches nur für schwedische Studenten gedacht ist. Einen billigen Supermarkt (geöffnet von 8-23 Uhr, 7 Tage die Woche, Ostersonntags, Midsommar, immer), ein Computer-Geschäft und einen Bankautomaten gibt es quasi vor der Tür. Jedes Haus hat eine kostenlose Sauna im 8. Stock. Diese kann man unkompliziert buchen, indem man Name und Uhrzeit auf einen Zettel an der Tür schreibt. Im Winter ist das wirklich angenehm. Sauna-Düfte gibts übrigens im Gewerbegebiet in Uppsala. Es gibt in 3 der 12 Häuser je ca 10 Waschmaschinen und 5 Trockner, die man ohne zu buchen kostenlos benutzen kann. Die Miete für ca 15 m² betrug 2004 2880 SEK, also ca. 300 Eur, Internet ist inklusive. Die meisten haben ihr eigenes Geschirr und Besteck, aber es gab in meiner WG auch ein paar allgemeine Gegenstände, mit denen man halbwegs über die Runden kommt. Trotzdem habe ich mir 2 Teller, Tassen und ein paar Besteck-Teile gekauft, um nicht immer vom häufig dreckigen Allgemeingut abhängig zu sein. Den schwedischen Möbelriesen gibt's auch im Gewerbegebiet.

    Ekeby
    Liegt zwischen Rackarberget und Flogsta, die Miete ist teurer als in Flogsta. Dafür haben die Zimmer auch mehr zu bieten. Man hat ein riesiges Zimmer, möbliert, mit eigenem Fernseher und ein zusätzliches Zimmer, welches Lagerraum und Schrank zugleich ist. Jeder hat ein eigenes, sogar gefliestes Bad. Die Wohnungen sind ebenfalls 12er Wohnungen, allerdings sind hier nur Austauschstudenten unter sich. Es ist daher immer was los, aber immer auf englisch. Andere Korridore in Ekeby sind dafür vollständig schwedisch, jedoch gibt es nicht viel Kontakt zu den schwedischen Korridoren (natürlich kann man das auch selber steuern). Küchengeräte und Geschirr etc. sind in Ekeby gesponsort, man braucht also keine eigenen. In der Nähe liegt ein Supermarkt, der allerdings etwas teuerer als der bei Flogsta ist. Internet ist ebenfalls inklusive.

    Rackarberget
    Ist eine schon etwas ältere Wohnheimsiedlung und liegt am nächsten zur Innenstadt. Zur Uni ist es nicht viel kürzer, als von Ekeby, da sie in einer anderen Richtung liegt. Die WGs bestehen aus 3-5 Personen, Schweden und Austauschstudenten gemischt. Es ist ein bisschen familiärer dort, als in Flogsta, es kann aber auch passieren, dass man z.B. über Ostern ganz alleine in der WG hockt. Die Zimmer sind hier unterschiedlich, die meisten haben ein Waschbecken im Zimmer, Dusche und WC wird mit den 3-5 Mitbewohnern geteilt, jedoch gibt's auch einige wenige Zimmer mit eigenem Bad/Toilette. Was man bekommt, ist dem Zufall überlassen. Ein kleiner Supermarkt liegt in der Nähe, es ist aber teilweise wesentlich teurer dort, als bei dem in Flogsta, obwohl sie der gleichen Kette angehören. Internet gibt's auch hier kostenlos.

    Man kommt wenn man aus der City nach Flogsta fährt zuerst an Rackarberget und dann an Ekeby vorbei, der Weg zur Uni führt für Informatiker aus Flogsta immer an Ekeby vorbei.

    Kantorsgatan
    Dieses Wohnheimareal liegt nordöstlich der City und ist ungefähr soweit von der City entfernt wie Flogsta, allerdings auf der anderen Seite der City. Deswegen ist der Weg für alle in Kantorsgatan ziemlich weit, wenn sie nach Flogsta und zu den anderen Wohnheimen wollen. Die Korridore sind soweit ich sie kennengelernt habe für 5 Personen, mit eigenem Bad und Toilette, die Dusche wird jedoch gemeinsam verwendet. Einkaufen kann man an der 24 h geöffneten Tankstelle (teuer). Die WGs sind gemischt aus Schweden und Austauschstudenten. Vor den Häusern gibt's große Grasflächen zum Grillen und Frisbee spielen.

    Hotel Uppsala
    Liegt in der City, ist nur für Austauschstudenten und hat teilweise keine Internetsteckdosen. Eigentlich ist es wie ein wirkliches Hotel, mit Eingangshalle und Hotelpersonal. Es ist schwer, dort die Mitbewohner kennenzulernen, weil man beinahe in einem eigenen Appartement wohnt. Dafür geht man aus der Tür und ist in der Stadt, dort wo alle Nationen sind.

    Türcodes
    4-stellige Codes regieren die Welt, wenn man nach Schweden kommt. Besonders, wenn man in seine Wohnung will.
    Beispiel Rackarberget: Man bekommt einen Schlüssel und eine Keycard und einen 4-stelligen Code. An der Hauptüre zum Treppenhaus reicht die Keycard ohne Code, an der Tür zur WG braucht man Keycard mit Code und danach den Schlüssel fürs Zimmer. Es gibt übrigens keine Klingeln draussen, normal ist es, das Handy zu benutzen, bzw. man kann theoretisch ein Telefon mit der Klingel koppeln. Dann müssen die Besucher einen Code eingeben und dann klingelt das Telefon...

    Bei meinem Wohnheim in Flogsta gab es eine Karte, einen Schlüssel und zwei 4-stellige Codes, einen fürs Treppenhaus und einen für die WG. Unten an der Türe zum Treppenhaus kann man vor 23:00 entweder die Keycard durchziehen oder den entsprechenden 4-stelligen Code benutzen. Nach 23:00 geht nur noch die Karte. Wer als Besucher den zusätzlichen Code kennt, kommt also vor 23:00 rein und kann dann an der WG-Tür klingeln (innen gibts klingeln). Oben an der WG-Tür braucht man immer die Karte und muß den Wohnungs-Code immer eingeben. Für das Zimmer gibt es auch hier einen normalen Schlüssel. Außerdem gibts noch einen Universalcode in Flogsta, der die Türen zum Treppenhaus zu jedem Wohnheim am Sernanders-Väg öffnet.

    In Ekeby hat man einen Schlüsselanhänger am Zimmerschlüssel, dieser öffnet elektrisch alle Türen bis zur Zimmertür.


    Cambius:

    Cambius ist eine studentisch geleitete Organisation, die den Austauschstudenten der Informatik schwedische Studenten als Buddies (Fadder) vermittelt. Ist man als Austauschstudent akzeptiert, bekommt man irgendwann Mail von Cambius. Wenn alles glattgeht, kommt man schon während man noch in Deutschland ist mit seinem Fadder in Kontakt. Die Fadder sollen den Austauschstudenten den Einstieg in die neue Umgebung etwas vereinfachen. Sie helfen Dir bei Suche nach gebrauchten Fahrrädern, zeigen Dir, wo Du Deine Prepaid-Handy-Karte kaufen kannst und helfen Dir bei der Orientierung am Anfang. Über das Semester werden immer wieder Veranstaltungen wie Schlittenfahren, Semmlor backen und Frisbee-Golf spielen angeboten. Diese eignen sich gut, um andere Austauschstudenten kennenzulernen und natürlich auch, um mit den anderen Buddies in Kontakt zu kommen. Der Buddy von einem Freund hat mich und ein paar Freunde sogar zu seiner Familie an seinem Heimatort eingeladen, mit ihm haben wir sehr viel unternommen und sein auch mit der Familie in guten Kontakt gekommen.


    Die Universität:

    Ist über die ganze Stadt verteilt. Große Teile der Uni liegen in der Innenstadt, das MIC für Informatiker und Mathematiker liegt jedoch etwas außerhalb am Polacksbacken. Das sind von Flogsta ca. 6 km mit dem Fahrrad. Das MIC ist keine großes Gebäude, sondern besteht aus vielen einzelnen Häusern. Früher war es einmal eine polnische Kaserne, daher auch der Name Polacksbacken (Polenhügel). Meine erste Vorlesung hatte ich im Ångström Laboratoriet, einem Neubau direkt neben dem MIC, in einem Hörsaal mit gepolsterten Stühlen. Das ist überhaupt das erste, was einem als Austauschstudent ins Auge fällt. Saubere Wände ohne Graffiti, saubere Toiletten (nicht nach Männlein und Weiblein getrennt), sauberer Boden, kein Gekritzel auf den Tischen, alles als wäre es kein öffentliches Gebäude. Der Mann, der die Vorlesung hielt, war jung und dynamisch, mit Knopfshirt und kleinem Goldkettchen, sah aus, als wäre er JuJutsu-Trainer. Als ich gemeint habe, dass die Assistenten an der schwedischen Uni ja ganz schön dynamisch sind im Gegensatz zu manchen Kollegen an den deutschen Unis wurde ich darüber aufgeklärt, das der Vortragende kein Assistent sei, sondern der Professor. Die Professoren an schwedischen Unis spricht man übrigens mit ihrem Vornamen an. Auch die Vorlesungen sind etwas mehr auf Interaktion ausgelegt, alles ein bisschen mehr wie in der Schule. Mehr Diskussion mit den Studenten, mehr Einbindung, freundlich, unbürokratisch und familiär. Das Hauptgebäude der Uni mit der Aula liegt in der Stadt. Dort wurden alle neuen Studenten inklusive den Austauschstudis vom Unidirektor (jeder einzeln mit Handschlag) begrüßt. Das Gebäude ist wie die meisten anderen Uni-Gebäude sehr prunkvoll und monumental. Statuen zieren die Rundgänge, welche mit verzierten Böden um Säulen herum zu den alten Hörsälen führen. Die Aula selber gleicht durch den Bau und die vergoldeten Verzierungen einem Opernhaus.


    Die Semesteraufteilung und das Punktesystem:

    Das Semester in Schweden (termin) ist in vårtermin und hösttermin (Frühlings- und Herbstsemester) aufgeteilt. Der Vårtermin beginnt Mitte Januar und endet Mitte Juni, der hösttermin beginnt ab Mitte August und endet im Januar. Mitte Juni bis Mitte August sind Semesterferien. Im Winter gehen die beiden Semester nahtlos ineinander über. Sowohl vårtermin als auch hösttermin sind aufgeteilt in je 2 Perioden. Der vårtermin fängt (bei den Informatikern, woanders ist es anders durchnummeriert) mit Periode 3 an (vt03), die geht von Januar bis ca. ende März. In dieser Periode hört man 2 Vorlesungen, die jeweils 5 schwedische Punkte bzw 7,5 ECTS-Credits geben. Im März sind die Prüfungen zu den beiden Vorlesungen. Die Vorlesungen sind danach abgeschlossen und man meldet sich online zu 2 neuen Vorlesungen mit 5 schwedischen Punkten an. Bis die neuen Vorlesungen beginnen, ist ca. eine Woche freie Zeit. Danach beginnt Periode 4 (vt04), die von April bis Mitte Juni geht, wobei die Prüfungen zu den beiden neuen Vorlesungen ende Mai bis Mitte Juni liegen können. Im hösttermin geht es dann mit ht01 und ht02 weiter. Zum Anrechnen in Deutschland ist meines Wissens ein ECTS-Punkt gleichzusetzen mit einer Semesterwochenstunde. Die Stundenpläne in Schweden sind jede Woche anders. Zu den Vorlesungen bekommt man für die ganze Periode einen Wochenplan, auf dem ersichtlich ist, wann die Vorlesung ist und wo sie ist, sowohl Zeit als auch Ort ändern sich häufig. Man weiß also nie aus dem Kopf, wann man Zeit hat, sondern muss vorher immer erst auf 2 Zettel schauen.


    Die Mensa:

    Die Mensa am MIC heißt „Rullan“. Eine Mahlzeit kostet dort 55 SEK, also ca 6 Eur. Darin enthalten ist eine Hauptmahlzeit, ein Salatteller vom umfangreichen Salatbuffet, Kaffee oder Tee. Normales Leitungswasser ist natürlich (wie überall in Schweden) im Preis drin („vatten ingår i priset“). Das Essen dort ist fast immer sehr gut und immer reichlich. Wer´s billiger mag, kann sich selber eine Essensbox mitbringen und sie im Keller in den Mikrowellen warm machen. Ansonsten gibt's im Ångström noch eine Cafeteria.


    Die Sprache:

    Wenn Du nach Schweden gehst, weil Du schwedisch mit Einheimischen sprechen möchtest, solltest Du vorher mindestens einen schwedisch 3 Kurs besucht haben und/oder noch ein bisschen in Eigenarbeit an Deinen Sprachfähigkeiten gearbeitet haben (schwedische Musik hören, ein Buch lesen etc.), damit das auch klappt. Das schwierigste am Anfang ist das akustische Verstehen der Sprache. Nach einer Zeit gewöhnt man sich aber daran und kann Gesprächen gut folgen. Ein großes Problem, gegen dass Du extrem aktiv ankämpfen muss ist, dass die meisten Schweden anfangen englisch zu sprechen, sobald Du auch nur den Hauch von Unsicherheit in Deinem schwedischen Satz gezeigt hast. In Uppsala ist dieses Phänomen wegen der vielen Austauschstudenten, von denen die meisten leider kein schwedisch können, besonders stark ausgeprägt. Dann gilt es penetrant weiter auf schwedisch zu sprechen. Meist funktioniert das.


    Die Nationen und das Studentenleben:

    Das Studentenleben ist in Uppsala sehr ausgeprägt, wesentlich ausgeprägter als in Stuttgart. Dazu tragen vor allem die Nationen bei. Sie organisieren Aktivitäten, bieten Kneipen, Discos und Fikas an (Fika=Kaffeetrinken, in ganz Schweden ist es ein wichtiger Teil des sozialen Lebens, auf eine Fika zu gehen). Manche Nationen veranstalten auch Reisen für die Ausstauschstudis...

    Eine Nation ist eine Art Studentenvereinigung, die meist in einem sehr alten Haus (eher Bauwerk, die meisten sind wirkliche Paläste von Aussen wie von Innen, alles ist auf alt getrimmt, bzw. meist wirklich so alt, meine ist von 1660 oder so). Es gibt für jedes Land in Schweden eine Nation (z.B. Värmlands, Öst-Göta, Norrlands, Gotlands, V-Dala...). Schwedische Studenten treten häufig der Nation bei, aus der sie kommen. Austauschstudis können immer frei zwischen den Nationen wählen, für Schweden ist die freie Wahl manchmal durch Aufnahmestopp eingeschränkt, wenn zu viele Leute dabei sind.

    Einer der verschiedenen Nationen in Uppsala muss man am Anfang beitretet, an diese zahlt man dann auch einen geringen Semesterbeitrag (ca 40 Euro) wie bei uns ans Studentenwerk. Hat man diesen Beitrag gezahlt, bekommt man seine Kårleg, die Kår-Legitimation, den Studentenausweis sozusagen. Eine Plastikkarte, auf dem die P-Nummer steht. Er ermächtigt zum Schreiben von Prüfungen und man braucht ihn, wenn man abends in die Nationen gehen will. Da diese abends Alkohol ohne die hohe schwedische Steuer ausschenken, wird am Eingang immer schärfstens kontrolliert. Perso und Kårleg muss man dabei haben und diese auf die Fragen „Ursäkta, har du kårleg“ („´Tschuldigung, hast Du Kårleg ?“) und die darauffolgende Aufforderung „Legitimation ?!“ vorweisen. Will man keiner der Nationen beitreten, zahlt man an die „Student Union“. Das ist allerdings nicht sehr schlau, da man als Mitglied einer Nation gewisse Vergünstigungen in der Nation bekommt. So kommt man z.B. auf die Parties und viele Veranstaltungen (z.B. Kino) der eigenen Nation kostenlos. Die Nationen haben Nachmittags zur Fika (Kaffeetrinken) geöffnet und bieten oft auch abends eine Kneipe. Es gibt ein kleines Faltblatt, den Nationguide, auf dem für jeden Tag der Woche eingetragen ist, welche Nation wann zu welcher Veranstaltung geöffnet hat. Man bekommt ihn an der Student Office. Von innen sind die Nationen alle sehr prunkvoll eingerichtet mit Kronleuchtern in großen Sälen in altehrwürdigen Häusern. Dieses Ambiente vermittelt einem in Uppsala das „gewisse Etwas“ des altertümlichen oder traditionsbewussten studierens. Gerade dieses Gefühl ist eine der Besonderheiten für die es sich lohnt, nach Uppsala zu gehen. Dort ist es eben nicht einfach so, das man nur wie bei uns in einen Betonhörsaal geht und danach mit vielleicht etwas mehr Wissen wieder hinausgeht, sondern man ist Teil einer Studentenkultur, manchmal sogar Teil eines lebendigen Museums, etwas spezielles.


    Fika und Pubs:

    Wie geschrieben, das Kafftrinken gibts in jeder Nation, es gibt einen richtigen Wochenplaner, mit dem, was wann welche Nation anbietet. Momentan wäre z.B. in Stockholms: Cafe, Östgota: Cafe Milchbar, Gotland: Vårdagsfika (wochentagsfika), heute abend Tanz bei Snerikes etc. Also immer viel, was man machen könnte. Auf den Fikas gibts immer leckeren selbstgemachten Kuchen (schwedischen Mörenkuchen, Kladdkaka (extrem dichter Schokoladenkuchen) und ähnlich leckeres, oder Krabben-Kuchen, so ein bischen wie Quiche), sehr lecker... Die Schweden mögen es übrigens ziemlich süß, Zuckerbomben gibt es überall.

    Abends öffnen die Nationen Pubs. Dort gibt es dann Essen und Trinken. Essen ist immer sehr reichlich, wenn auch meist 5 Eur teuer. Dafür gibts dort Alkoholisches teilweise billiger als in einer deutschen Kneipen, da die Naionen keine Steuern auf Alkohol abgeben müssen. In einer normalen (nicht von den Nationen betriebenen) Kneipe zahlt man für ein Glas Bier übrigens ca 75 SEK, also ca 8,20 €.


    Gasks:

    Ab und zu veranstalten die Nationen Gasks. Ein Gask ist von der Art der Veranstaltung am ehesten vergleichbar mit einem Ball, auf dem es Essen und Trinken gibt. Die Kleiderordnung ist streng, Frauen müssen im Kleid kommen und Männer im (vorzugsweise dunklen, grün war aber z.B. auch kein Problem) Anzug. Da es sich wirklich lohnt, einmal auf einem Gask gewesen zu sein, ist es sinnvoll, seinen Anzug oder sein Kleid mit nach Schweden zu bringen. Bei manchen Gasks wird für Männer sogar Frack verlangt. Den kann man sich dann irgendwo leihen, was allerdings nicht gerade billig ist. Ein Gask fängt mit essen und trinken an. Alle sitzen am Tisch, immer Damen und Herren abwechselnd. Als erstes wird Schnaps angeboten. Es folgt eine kurze Ansprache der Veranstalter, dann ein Trinkspruch, dann wird getrunken. Dann kommt das Essen und es wird Wein eingeschenkt. Irgendwann wird jemand gegen sein Glas klopfen, etwas erzählen, einen Trinkspruch bringen, die Leute dazu animieren, in ein Trinklied einzustimmen, dann wird getrunken, dann etwas gegessen und wieder von vorne. Gask ist im Wörterbuch übrigens mit „Zechgelage“ übersetzt. Nach diesem offiziellen Teil eines Gasks kommt die „Släpp“, die Afterparty, bei der bis in die frühen Morgenstunden gestanzt wird. Die Trinklieder heißen auf schwedisch übrigens „Snapsvisan“, Schnapsweisen also.


    Konten und Bezahlen:

    Ich habe mein Geld in Schweden immer mit der EC-Karte von meinem deutschen Konto aus geholt. Für 2000 SEK zahlt man (2004) ca 220 Eur, wobei 3 Eur Gebühr anfallen (eine meiner Banken verlangte auch 4,50 Euro). Bei einigen Automaten konnte man mit meiner Karte maximal 2000 SEK abheben (z.B. bei dem in Flogsta), am Gamla Torget in der City gibt es jedoch einen Automaten, aus dem ich auch mit meiner Karte mehr Geld holen konnte. Je mehr man auf einmal abhebt, desto weniger Gebühren zahlt man relativ gesehen. Außerdem gehen in Schweden 2000 SEK sehr schnell weg, ohne dass man merkt, wohin eigentlich. Lebensmittel sind halt ein wenig teurer. Die Rechnung fürs Wohnheim zahlt man monatlich. Diese wie auch Telefonrechnungen (falls man sich Festnetz zulegt) bekommt man per Post und muss sie beim „Svensk Kassa Service“ bezahlen. Den gibt's in jeder Postfiliale und z.B auch in einer der Kaufhausgallerien in Uppsalas Fußgängerzone. Man zahlt dort mit Bargeld und jede Rechnung kostet 30 SEK Bearbeitungsgebühr. Man zahlt also beim Abheben 3 Eur und beim Einzahlen nochmal 30 Kronen Gebühr. Deswegen ist es am besten, wenn man einen Schweden findet, der das Geld in Bar annimmt und es per Online-Überweisung auf dem Zielkonto einzahlt. Noch besser ist es, wenn man dem Schweden das Geld per Europaüberweisung (normal kostenlos) auf sein Konto zahlen kann.
    Selber überweisen rentiert sich nur, wenn man ein schwedisches Konto hat, denn Auslandsüberweisungen kosten ca. 10 Eur (dort kann der Betrag in der Zielwährung angegeben werden, man kann also sagen, man will z.B. 2324 SEK überweisen). Die normal kostenlosen Europaüberweisungen mit Swift-Code und IBAN kann man nicht in der Zielwährung angeben (man kann also nur sagen, dass man z.B. 260 Euro überweisen will). Daran ist der große Nachteil, dass man nicht weiß, wieviel Kronen die überwiesenen Euro eigentlich sind, man überweist dann eben nur pi mal Daumen den Betrag. Es gab einige, die in Schweden ein Konto eröffnet haben. Viele hatten jedoch das Problem, dass das Online-Banking dort etwas kostet und das selbst ein Überweisungsauftrag an der Filiale mit 50 SEK zu Buche schlägt. Deswegen würde ich davon abraten, sich ein schwedisches Konto zuzulegen. Dies spart außerdem auch das Gerenne beim Kündigen und Eröffnen des Kontos. Wer einen Reisepass hat, kann auch probieren, die Rechnung bei der schwedischen Post einzureichen und das fällige Geld dann dort mit EC-Karte zu zahlen. Damit spart man eventuell Gebühren, da diese nur für Bargeldeinzahlungen anfallen. Ob das funktioniert, konnte ich mangels Reisepass nicht ausprobieren.


    Handy:

    Wenn Du ein Handy ohne SIM-LOCK hast, dann nimm es mit. Du brauchst es, nicht zuletzt als Ersatz für nicht vorhandene Klingeln in den Wohnheimen. Einmal kurz anklingeln, gleich wieder auflegen ist die einzige Möglichkeit, Bescheid zu sagen, wenn man vor der Tür steht und nicht reinkommt. Es gibt günstige Prepaid-Karten, sie kosten einmalig 100 Kronen und sind wiederaufladbar an jedem Kiosk. Nachteil an dem günstigsten Anbieter ist jedoch, das er nur in Ballungsräumen funktioniert. Oberhalb von Östersund hatte man keinen Empfang mehr, bzw. darf die Netze, die vorhanden sind, nicht benutzen. Ob dieser Faktor stört, hängt natürlich davon ab, ob man nun in Lappland erreichbar sein will oder nicht. Für diesen Fall kann man dann ja auch die deutsche SIM-Karte benutzen, falls man es überhaupt will.


    Festnetz-Telefon:

    Wer unter 26 ist kann bei Telia (der schwedischen Telefongesellschaft) für ca. 30 Eur einen Festnetzanschluss beantragen (Tarif: „Telia Bas Ungdom“). Wer älter ist (also 26 und aufwärts), zahlt 75 Eur und hat teurere Tarife (Tarif: „Telia Bas“). Für den Ungdoms(Jugend)-Tarif muss man 3000 Kronen auf der hohen Kante haben, die man als Kaution („deposition“) hinterlässt. Diese bekommt man nach Kündigen des Vertrages wieder zurück. Wenn man den Anschluss kündigt muss man beachten, dass man schon am 31. nicht mehr telefonieren kann, wenn man zum 1. kündigt. Deswegen den Vertrag ruhig 3 Tage länger machen, als man in der Wohnung wohnt. Die letzte Rechnung wird dann vom Deposit gezahlt und der Restbetrag der 3000 Kronen (330 Euro) wird per Europaüberweisung aufs deutsche Konto überwiesen. Dies geschieht aber nicht automatisch, sondern man muss explizit fragen, ob man es nicht so machen kann, i.a. sollte es dann kein Probelm sein. Dazu muss man 2 Wochen bevor man fährt zu Telia und kündigen. Dann muss man telefonisch mit dem Kundendienst in Kontakt treten, um die vielstellige IBAN und den SWIFT-Code, sowie Heimatadresse und Bankname zu diktieren. Da es Probleme geben kann, englisch-sprechende Kundendienstmitarbeiter zu finden, sollte man fähig sein, das Gespräch auf schwedisch abzuwickeln. Mit Englisch gibt es etwas mehr Komplikationen. Natürlich kann man den Anschluss auch vorher kündigen, dann bekommt man einen Zettel, den man beim „Svensk Kassa Service“ gegen Geld eintauschen kann. Die Preise der Telia sind Stand 2004 und können sich natürlich ändern, ausserdem geben meine Schilderungen nur die Erfahrungen von mir und 3 mir bekannten Personen wieder. Nach dem Kündigen kam bei mir zuhause in Deutschland trotzdem eine Rechnung für den Monat an, in dem ich den Anschluss schon gekündigt hatte. Aber diese konnte ich, wie mir nach Kontaktaufnahme mit Telia via Webformular auf der Telia-Homepage geschrieben wurde, einfach ignorieren. Kurz danach kam die schriftliche Bestätigung, dass mein Vertrag aufgelöst sei und ich mein Geld bald erhalten werde, ein paar Tage später folgte dann noch eine Mahnung, dass ich die letzte Rechnung zuzüglich Mahngebühr zahlen sollte. Aber auch diese Mahnung durfte ich nach erneuter (diesmal etwas gereizt formulierter) Kontaktaufnahme ignorieren und erhielt auch kurz danach mein Geld zurück.
    Das Telefon zum Telefonanschluss kann man entweder bei Telia kaufen (die schwedischen Telefone funktionieren am deutschen Netz übrigens auch), oder man bringt sein eigenes Telefon aus Deutschland mit. Allerdings haben die Schweden runde Telefonsteckdosen, deswegen muss man erst noch ein Kabel besorgen, das in diese Dosen hineinpasst und auf der anderen Seite einen Western-Stecker hat, kompatibel sind die Systeme ansonsten. Wer über seinen Festnetzanschluss nach Deutschland telefonieren will, ist am billigsten mit Calling-Cards dabei, die gibt's mit 100 Kronen Guthaben dann an jedem Kiosk. Aus Deutschland angerufen werden ist aber nachwievor günstiger und hat bessere Leitungen.


    Also...:
    Ich hoffe, Du hast diesem Bericht einige Information entnehmen können und das er trotz der Länge einigermaßen lesbar war. Manche Dinge, besonders die mit dem Telefon zum Schluss hätte ich damals gerne vorher gewusst, deshalb habe ich hier einige Dinge sehr detailreich beschrieben. Nichtsdestotrotz ist es natürlich auch schön, wenn man nicht alles von vornherein schon weiß, sondern die Infos erst vor Ort auf eigene Faust sammelt. Ich wünsche Dir viel Spaß dabei und bei Deinem Semester in Uppsala. Es lohnt sich, dorthin zu gehen !!



    Erstellt am 05.11.2004, zuletzt überarbeitet am 30.11.2004 von Frank Eisele










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    © 05. November 2004 by F./C.